Die Schweizer Goldinitiative: Nur begrenzte Auswirkungen auf CHF und Goldpreis

Die Schweizer Goldinitiative: Nur begrenzte Auswirkungen auf CHF und Goldpreis

  • Die Abstimmung über die Schweizer Goldinitiative ist für den 30. November 2014 angesetzt.
  • Bei einer Annahme der Initiative müsste die Schweizerische Nationalbank (SNB) Gold im Wert von CHF 65 Mrd. ankaufen und unter Umständen im Gegenzug Währungsreserven verkaufen.
  • Auch wenn dies lediglich eine Umverteilung auf der Aktivseite der Nationalbankbilanz bewirken würde, so könnte doch die Glaubwürdigkeit der von der SNB gesetzten EUR/CHF-Untergrenze leiden. Wir rechnen aber weiterhin damit, dass die SNB die Untergrenze verteidigen wird.
  • Eventuelle Goldkäufe der SNB könnten zu einem Preisanstieg führen, doch bleiben wir neutral, da die Nachfrage ansonsten verhalten ist.

Hintergrund der Initiative: Krise der Eurozone

Am 30. November 2014 werden die Schweizer Stimmberechtigten über die Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» (Goldinitiative) entscheiden. Die Initiative wurde am 20. September 2011 ins Leben gerufen. Den Anstoss dafür gaben die Krise in der Eurozone, der mehrjährige Abwärtstrend des USD und die damit verbundene Sorge vor einer strukturellen Verschlechterung der Qualität der SNB-Btext ilanz. Der vorherige und, wie sich im Nachhinein herausstellte, zeitlich unpassende Verkauf von Goldreserven könnte ebenfalls ein Faktor gewesen sein. 2011 stieg der Schweizer Franken und erreichte dabei fast Parität zum EUR, was die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu veranlasste, am 6. September 2011 einen Mindestkurs für EUR/CHF von 1.20 einzuführen. Die Währungsstabilität und die durch die Interventionen der SNB deutlich steigenden EUR-Bestände wurden zu einem wichtigen Thema in der Schweiz. Die Goldinitiative wurde am 20. März 201! 3 mit 106’000 Unterschriften eingereicht (nötig waren 100’000 Unterschriften). Die Schweizer Regierung, das Parlament (National- und Ständerat) und die SNB sind Gegner der Initiative.

Forderungen der Goldinitiative

Die Initiative verfolgt drei Ziele:

  1. Die Schweizerische Nationalbank darf kein Gold mehr verkaufen.
  2. Die Goldreserven der SNB sind in der Schweiz zu lagern. Für die Erfüllung dieser Forderung gilt eine Übergangszeit von zwei Jahren nach Annahme der Initiative.
  3. Ein wesentlicher Teil der Aktiven der SNB ist in Gold zu halten. Der Goldanteil darf 20% nicht unterschreiten. Dies soll innerhalb von fünf Jahren erreicht werden.

Sollte sich die Initiative durchsetzen, würde sie die Handlungsfreiheit der SNB einschränken und hätte potenziell erhebliche Folgen für ihre geldpolitischen Entscheidungen (nähere Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Research Alert «Goldinitiative: Verfehlt, aber keine unmittelbare Bedrohung» vom 11. November 2014). Im Folgenden erörtern wir zunächst die Auswirkungen auf den CHF und andere Währungen. Dabei beschäftigen wir uns auch mit der Frage, inwieweit die vom Markt wahrgenommene Glaubwürdig! keit des Mindestkurses von EUR/CHF 1.20 betroffen sein könnte. Anschliessend beurteilen wir die Relevanz für den Goldpreis.

Auswirkungen eines Anstiegs der Goldbestände auf die Fremdwährungsreserven der SNB

Aktuell hält die Schweizerische Nationalbank Gold im Wert von CHF 39 Mrd. Angesichts einer Bilanzsumme von CHF 522 Mrd. machen die Goldreserven somit 7% der SNB-Bilanz aus. Sollte die Goldinitiative angenommen werden, müsste die SNB ihre Goldbestände auf mindestens 20% ihrer Bilanz erhöhen. Falls die SNB ihre Bilanz nicht kurzfristig verkleinert, müsste sie dazu Gold im Wert von CHF 65 Mrd. hinzukaufen. Wahrscheinlich würde sie dabei so vorgehen, dass sie ihre Goldreserven erhöht und gleichzeitig ihren Bestand an Fremdwährungsreserven um denselben Betrag verringert. Die SNB hält Fremdwährungsreserven, die auf EUR (45% der gesamten Devisenreserven), USD (29%), JPY (8%), GBP (7%), CAD (4%) und sonstige Währungen (7%) lauten. Sie könnte diese Gewichtung der verschiedenen Währungen beibehalten oder sie geringfügig ändern. In beiden Fällen wäre der Effekt vergleichbar mit der Umschichtung der Devisenreserven im Jahr 2012, ! als die SNB USD und sonstige Währungen kaufte und im Gegenzug EUR verkaufte.

 

Anlagesicherheit – Gold als Fels in der Brandung?

"Die Defizitsituation vieler Staaten ist weiter extrem angespannt." Es machen Schlagzeilen die Runde, wie "Der Euro bleibt unter Druck", "Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fällt unter 2,5 % p.a." oder "Die Aktienmärkte unterliegen heftigen Schwankungen". Dies ist nur eine kleine Auswahl aus den letzten Wochen, die dazu führte, dass Anleger, die immer noch sehr hohe Liquiditätsrücklagen besitzen, zunehmend nach sicheren Alternativen suchen. Die Anlage in Gold kann eine Lösung sein, allerdings sollte sich der Investor vor dem Kauf darüber im Klaren sein, welches Ziel er mit einem Goldinvestment verfolgt und welche Vor- und Nachteile mit der jeweiligen Investition einhergehen. Erst dann können die verschiedenen Möglichkeiten mit den individuellen Zielen in Einklang gebracht werden.

Die bekannteste Form der Goldinvestition ist der Kauf von Barren oder Münzen am Bankschalter. Der Anleger sollte wissen, dass sowohl beim Ankauf als auch beim Verkauf zirka 3 Prozent Spesen anfallen. Dazu kommen die über den Anlagezeitraum entstehenden Verwahrkosten in Form von Schließfachgebühren. Kursgewinne, die ein Anleger durch den physischen Kauf von Gold erzielt, sind nach Ablauf eines Jahres gemäß § 23 EStG steuerfrei. Einige Institute bieten Investoren ab bestimmten Größenordnungen die Möglichkeit, das physische Gold ohne Aufgeld zu erwerben und gleichzeitig in den bankeigenen Tresoren zu lagern. Es werden lediglich Prägekosten in Rechnung gestellt und eine Verwaltungsgebühr vereinbart. Außerdem besteht zu jedem Zeitpunkt ein Anspruch auf Herausgabe der erworbenen Barren oder Unzen.

Als Alternative zum physischen Kauf gibt es seit einiger Zeit sogenannte Gold-ETFs oder –ETCs (exchange traded funds / exchange traded commodities). Dies sind börsengehandelte Wertpapiere, die den Goldpreis zum Beispiel in Gramm oder Unze abbilden. Das von den Anlegern gefürchtete Emittentenrisiko dieser Wertpapiere wird durch physische Hinterlegung von Gold und einem Auslieferungsanspruch minimiert. Anleger sollten wissen, dass eine kostenpflichtige Auslieferung bei fast allen Anbietern erst ab einem Gegenwert von zirka 32.000 Euro, dem Gegenwert eines Kilobarrens, bei einigen Emittenten erst ab zirka 400.000 Euro, dem Gegenwert eines 12,5 Kilobarrens, möglich ist. Nach aktueller Auffassung des Bundesministeriums für Finanzen ist die Realisierung eines Gewinns durch Verkauf oder Auslieferung dieser Gold-ETCs/-ETFs ein abgeltungssteuerpflichtiger Vorgang. Sowohl für den physischen Kauf als auch für den Erwerb eines Gold-ETFs/-ETCs ist grundsätzlich anzumerken, dass der Anleger indirekt auch immer das Risiko einer negativen sowie die Zusatzchance einer positiven Entwicklung des US-Dollars zum Euro eingeht. Wer dies vermeiden möchte, kann auf sogenannte Quanto-Zertifikate zurückgreifen, die das Währungsrisiko eliminieren. Weiter sollte der Anleger wissen, dass eine Anlage in Gold keine laufenden Erträge abwirft.

Für dynamisch orientierte Anleger können auch Goldaktien oder Goldaktienfonds eine sinnvolle Alternative sein, die historisch betrachtet mit einem zirka 2,5-fachen "Hebel" die Goldpreisbewertung nachvollziehen.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Goldanteil in einer langfristig ausgerichteten Anlagestruktur bei zirka 10 bis 12 Prozent des Gesamtvermögens liegen sollte. Da der Goldpreis seit einigen Monaten aktienähnliche Schwankungsbreiten aufweist, ist auch das kurzfristige Timing für den Kauf durchaus relevant. Anleger, die eine Goldposition neu aufbauen möchten, sollten ein Drittel direkt und die anderen zwei Drittel bei fallendem Goldpreis kaufen.